Kirchheim. „Das ist doch ein Witz für Doofe“, bemerkte eine Besucherin der Feier zum 1225-jährigen Bestehen von Kirchheim am Samstagabend gegen 21 Uhr im Festzelt auf dem Hof des SVG-Rasthauses.
Dabei hatte alles so begonnen, wie man sich das vorstellt, um 19 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst, festlich umrahmt von Kindertanz und Posaunenklängen. Etwa eine Stunde später, begrüßte der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Reiner Weppler, in seiner Funktion als Moderator des Abends, die Gäste. Aber, es blieb nicht viel zu tun für ihn, an diesem Abend. Die Worte von Bürgermeister Manfred Koch, den er als ersten Redner auf die Bühne bat, verhallten weitgehend ungehört im Raunen der Thekengespräche. Da half auch der über die zu schwachen Lautsprecher ausgestrahlte Appell um ein paar Minuten Ruhe wenig. Die Tatsache, dass Olli an der Orgel – der Höhepunkt der Jubiläumsfeier – vergessen hatte, die Lichtorgel abzuschalten, und so der Bürgermeister abwechselnd in gelben, roten, blauen und grünen Licht erstrahlte, trug jedenfalls nicht dazu bei, die Aufmerksamkeit der Gäste zu steigern. Der zweite und letzte Gastredner des Abends, Ortsvorsteher Stefan Nieding, passte sich der Situation an. Ohne Konzept hieß er in weniger als 30 Sekunden die „zahlreich erschienenen Gäste“ willkommen und wünschte ihnen einen „schönen Abend“. Weppler durfte noch eine Fotoschau an der einen Stirnseite des Zeltes und einen Videofilm an der gegenüber liegenden Seite ankündigen, dann war sein Job auch schon beendet. Die Bilder auf der einen Seite zeigten Kirchheim von früher bis zur Gegenwart. Der zum Stummfilm verkommene Videobeitrag war während, vor und um die 1200 Jahrfeier entstanden und quälte sich in endlos langen Einstellungen über die Leinwand.
Nachdem Olli zunächst noch mit dem – vermutlich zufällig, aber äußert passend gewählten – Titel „Das ist Wahnsinn“, versuchte für Stimmung zu sorgen, schaltete er bald seine Lichter aus und ließ die automatische Orgel nur noch instrumentale Musik intonieren, bis 22 Uhr. Da flimmerte das Video-Kunstwerk noch immer tonlos über die Leinwand. Und jetzt hatte Olli die Faxen dick. Er schaltete seine Lichtorgel wieder ein und die Bilder auf der Leinwand verschwammen in den bunten Farben der starken Scheinwerfer. Aber auch das „Trompetenecho“ und die „Tante Mitzi“ aus Oberkrain konnten die Fluktuation aus dem ungemütlichen Festzelt nicht mehr aufhalten. Viele, die jetzt nach Hause gingen, waren unzufrieden und enttäuscht, und viele von denen, die blieben, suchten Trost am Tresen.
Nix Halbes und nix Ganzes
Bernd Löwenberger über einen misslungenen Abend
„In Gefahr und Not, bringt der Mittelweg den Tod“, sagt ein altes Sprichwort. Kirchheim ist in Not, in finanzieller. Die Ausgestaltung einer Jubiläumsfeier mit „Allem drum und dran“ ist meist ein kostspieliges Vergnügen und erfordert zudem viel Vorbereitung, Einsatz und Engagement sowohl der politischen Gremien und der Vereine, als auch der Geschäftswelt und zahlreicher ehrenamtlicher Helfer. Und Kirchheim war in Gefahr. In der Gefahr, auf einem Teil der Kosten sitzen zu bleiben. Über Erfolg oder Misserfolg einer Großveranstaltung entscheiden viele Faktoren, und dass die Kirchheimer nicht jede Veranstaltung stürmen, ist hinreichend bekannt. So gesehen ist die Entscheidung zur Minifeier anlässlich des 1225-jährigen Bestehens verständlich und nachvollziehbar. Indes der Mittelweg mit Fotos auf der einen, einem Video auf der anderen Zeltseite und der Hoffnung auf Tanz und Stimmung führte nicht zum Erfolg. Ganz oder gar nicht wäre wohl die bessere Entscheidung gewesen. Aber hinterher gibt es ja immer einen, der schlauer ist und meckert, und schließlich gibt es Wichtigeres auf der Welt, als einen Festabend.