9. Mrz. 2009 - 06:44
Kirchheim/Hessen: Verabschiedung eines Feuerwehrkameraden in Kirchheim

(LÖ).Kirchheim. „Wenigstens bis ich in Rente gehe, wäre ich zu den Einsätzen gerne noch mit raus gefahren“, sagte Friedrich Wojtowicz am Freitagabend während der Jahreshauptversammlung der Kirchheimer Feuerwehr.

Unter seinem richtigen Namen kennt den engagierten Feuerwehrmann kaum einer. Selbst Kreisbrandmeister Martin Orf musste in seiner Laudatio zugeben, von einem  Friedrich Wojtowicz in der Kirchheimer Feuerwehr noch nie gehört zu haben. Den Beppo kenne er sehr wohl, denn der sei immer mitten drin, egal ob Feuer, Unfall oder Hilfeleistung, und, hob Orf hervor: „Ich bin extra angereist, um Beppo persönlich verabschieden zu können.“

„Bei mehr als 360 Einsätzen allein in den letzten acht Jahren ist Beppo dabei gewesen“, hatte Gemeindebrandinspektor Thomas Schneemilch recherchiert. Mangels Aufzeichnungen aus der Vergangenheit lasse sich die Gesamtzahl nicht mehr ermitteln, mehr als 700 seien aber wahrscheinlich. Auch seit wann der Oberlöschmeister Mitglied der Kirchheimer Feuerwehr ist, blieb strittig. Irgendwer hat den 19. Januar 1978 als Eintrittsdatum notiert. „Das kann nicht sein“, monierte Beppo, „ich bin mindestens seit 72 oder 73 dabei.“ Niemand machte ihm das strittig.

In einer Präsentation hatte Schneemilch das Leben des „Einsatzkönigs Beppo“ zusammengefasst. Die Fotos, teilweise noch schwarz-weiß, zeigten Beppo beim Feiern, Beppo hinterm Grill, Beppo beim Üben mit Spreitzer und Schere, damals noch in Turnschuhen, aber sie zeigten auch brennende Häuser, ausgebrannte oder total zerstörte Autowracks, und immer war Beppo ganz vorne mit dabei. Wojtowicz war einmal stellvertretender Wehrführer, aber wirkliche Ambitionen zur Karriere in der Feuerwehr hat er nie gehabt. Beppo war der Macher, der Aktive, immer der erste Mann, auch dann, wenn es gefährlich oder schaurig wurde.

Wenn jetzt die Martinshörner ertönen, muss Beppo zu Hause bleiben. Am achten Februar ist er 62 Jahre alt geworden, und da darf er nicht mehr aktiv sein. Das schreibt das hessische Brand- und Katastrophenschutzgesetz so vor. Eigentlich hätte er schon mit 60 aufhören müssen, aber auf Antrag kann man die aktive Zeit um höchstens zwei Jahre verlängern, und dieses Gesuch hatte Beppo natürlich gestellt. Aber auch, wenn er jetzt nicht mehr mit raus darf, bleibt Beppo „seiner“ Feuerwehr natürlich treu.

Annerkennung ist der Lohn, für den unermüdlichen Einsatz, und seit Freitagabend die Stankt Floriansmedaille in Silber des kurhessisch-waldeckschen Feuerwehrverbandes, verliehen durch den Kreisverbandsvorsitzenden Thomas Specht, und eine vergoldete St. Floriansfigur von den Kameraden, dazu einen dicken Blumenstrauß für Ehefrau Betty. 

„Wir danken dir für deinen unendlichen Einsatz und deine unermüdlich, selbstlos geleistete Arbeit“ stand unter dem letzten Bild, das Schneemilch auf die Leinwand projizierte.

www.tvnews-hessen.de/videos/beppoabschied090306_small.wmv

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